Kalenderblatt: 23. April
Parlament mit Bowlingbahn und Disko, ein Staat wird zum Privatbesitz, Geburt des ersten Impressionisten
Letzte Änderung: 23.04.2018, 07:38 Uhr
  • Heidelberg, Gesamtansicht mit Schloss

    1840, Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, R 4 Bildersammlung
    1775: William Turner wird geboren. Turner ist ein Maler der englischen Romantik, der sich vor allem auf Naturszenen spezialisiert. Zu seiner Zeit wegen seiner modernen Malweise umstritten – viele Experten sehen in ihm heute einen Vorläufer des Impressionismus – gilt er inzwischen als einer der größten britischen Künstler. Viele seiner Gemälde zeigen englische Landschaften, aber Turner bereist auch den Kontinent. So kommt er in den 1840er Jahren auch ins Rheinland, wo er Heidelberg und das berühmte Schloss in mehreren Bildern festhält.
  • Palast der Republik

    Kulturhaus; Parlament
    1976: Eröffnung des Palasts der Republik in Ost-Berlin. Der Bau auf einer Spreeinsel zwischen Schlossplatz und Lustgarten dient als Parlamentssitz der DDR (Volkskammer), aber auch als Volksheim und Kulturhaus, sogar eine Bowlingbahn und eine Disko sind hier zu finden. Nach der Wiedervereinigung wird der Palast der Republik zunächst wegen Asbestbelastung geschlossen, 2003 beschließt der Bundestag den Abriss. Seit Juni 2013 entsteht auf dem Gelände das Humboldt-Forum, ein Zentrum von Kunst, Kultur und Wissenschaft, das 2019 eröffnet werden soll.
  • Belgisch-Kongo

    Münze; Numismatik
    1885: Der belgische König Leopold II. nimmt den Titel Souverän des Freistaates Kongo an. Im Zentrum der kolonialen Ambitionen von Leopold II. hatte schon länger das Kongogebiet gestanden. So war er der Vorsitzende des „Comité d'Etudes du Haut-Congo“, einer privaten Gesellschaft, die trotz ihres Namens als Hauptziel die Ausübung kommerzieller und industrieller Aktivitäten in der Region hatte. 1882 wandelt er das Comité in die „Association internationale du Congo“ um, womit er ein neues politisches Subjekt privatrechtlicher Natur schafft, das jedoch auch öffentliche Dimensionen hat. Auf der Berliner Kongokonferenz wird Leopold dann das Gebiet als Privatbesitz der belgischen Krone zugesprochen, und Leopold wird so zum Eigentümer des neuen Kongo-Freistaats, eine Situation, die nicht mit dem Völkerrecht in Einklang zu bringen ist. Zwar wird Leopold in Berlin auferlegt, in seinem neuen Reich den Sklavenhandel zu unterbinden und für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Eingeborenen zu sorgen, tatsächlich kommt es aber zur brutalen Ausbeutung der Eingeborenen (sogenannte „Kongogräuel“). Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Kongo-Freistaat, nachdem es deswegen zu mehreren Skandalen gekommen ist, auf internationalen Druck von Leopold an Belgien verkauft und in die Kolonie Belgisch-Kongo umgewandelt.