DDBspotlight: Frisuren – von Calamistra, Perückeninspektoren und Bubiköpfen

Von Theresa Rodewald (Online Redaktion)

Die eiszeitliche Venus von Willendorf trägt ihr Haar gelockt, im Rokoko versteckt die feine Gesellschaft es unter aufwändigen Perücken und in den 1960er Jahren ist der Afrolook ein Zeichen des Widerstands: Frisuren sind kulturelle Artefakte, sie erzählen von Identität, sozialem Status und Mode. In diesem Spotlight widmen wir uns der Frisur und ihren mannigfaltigen Ausformungen.

"Porträt Elsa Heinrich mit Perlenohrring, aufgenommen im Atelier Niagara in Dresden-Altstadt, König-Johann-Straße 8 b" (1905), Deutsche Fotothek Public Domain Mark 1.0)

Goldstaub, Lockenstab und kaiserliche Vorbilder: Frisuren im Alten Ägypten und in der Antike

Die Venus von Willendorf ist knapp 30.000 Jahre alt und liefert einen Hinweis darauf, dass schon die Menschen der Eiszeit ihre Haare frisiert haben. Am Kopf der Figurine sind wellenförmige Striche eingeritzt, die wohl Locken oder eine Kopfbedeckung darstellen. Ab 3.000 v. Chr. belegen alt-ägyptische Grabbeigaben, dass Haarpflege in der ägyptischen Hochkultur von zentraler Bedeutung ist. Mit Messern, Kämmen und Haarnadeln bringen Männer und Frauen ihr Haar in Form, lassen es in der Sonne bleichen und färben graue Strähnen mit Henna, Rinderblut oder Goldstaub. Auch Perücken sind bereits weit verbreitet.

Schon die Alten Ägypter*innen tragen gern Perücken: "Anthropomorpher Sarg der Hat" (Ptolemäerzeit), Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Foto von Sandra Steiß (CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Im antiken Griechenland tragen die Menschen dagegen kaum Perücken, gepflegtes Haar ist trotzdem ein Muss. Wer sich mit strubbeliger Frisur in der Öffentlichkeit zeigt, zahlt eine Geldstrafe. Für die modische Lockenpracht verwenden Männer wie Frauen das Calamistrum, einen erhitzten Metallstab, der im Grunde genauso funktioniert, wie heutige Lockenstäbe.

Blond gilt als Haarfarbe der Götter und Helden, weshalb sich Frauen gerne Goldfäden ins Haar flechten. In der römischen Kaiserzeit orientieren sich Frauen frisurentechnisch an der jeweiligen Kaiserin. Die blonden Haare germanischer Sklavinnen werden zu Perücken verarbeitet. Auch Haarschmuck wie Nadeln, Bänder und Perlen ist beliebt. Männer tragen ihr Haar kurz und in der Stirn gelockt.

Was eine Moorleiche mit Tacitus zu tun hat und wieso Frauen unter die Haube kommen

Eine typisch germanische Männerfrisur ist der Suebenknoten. Schon der römische Historiker Tacitus berichtet, dass sich germanische Krieger das Haar zu einer Seite kämmen und es dann auf dem Scheitel zu einem Knoten binden.

Gruselig und faszinierend: "Kopf der Moorleiche aus dem Moor bei Osterby", Postkarte, Frisörmuseum (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Laut Tacitus ist diese Frisur auch ein Statussymbol, je kunstvoller der Knoten, desto vornehmer der Krieger. 1948 finden die Brüder Otto und Max Müller beim Torfstechen in Osterby eine Moorleiche, deren Haare ungewöhnlich gut erhalten sind. Der Mann von Osterby trägt einen Suebenknoten und bestätigt damit nicht nur Tacitus‘ Bericht, sondern auch zahlreiche römische Abbildungen und Plastiken. In Irland und Schottland haben keltische Krieger komplizierte Flechtfrisuren und schüchtern Gegner mit Kalk-gebleichten Bärten ein.

Vom burgundischen Hof kommt im 15. Jahrhundert der Hennin, eine kegelförmige oder spitz zulaufende Haube mit Schleier in Mode. Beliebt sind auch Hörnerhauben, die mitunter recht bizarre Formen annehmen können: "Archivkarte: Zeitschriftenausschnitt" mit Abbildung einer Holzstatue in zeitgenössisch standesgemäßer Kleidung der Spätgotik (1470), Archiv Lette-Verein, Stiftung des öffentlichen Rechts (Public Domain Mark 1.0)

Im europäischen Frühmittelalter tragen Frauen offene Haare oder Zöpfe mit eingeflochtenen Bändern. Im Hochmittelalter wird es zum Privileg unverheirateter Mädchen. Nach der Hochzeit müssen Frauen, so schreibt es die Kirche vor, ihr Haar in der Öffentlichkeit bedecken, oft mit einem Schleier oder einer Haube – daher auch die Redewendung „unter die Haube kommen“. Bei Männern ist ein halblanger Pagenschnitt modern.

Im Spätmittelalter gilt dann eine hohe Stirn als besonders schön, weshalb viele Frauen ihren vorderen Haaransatz ausrasieren. Als Zeichen der Demut scheren Mönche und Kleriker ihr Haar komplett oder tragen eine Tonsur. Das Haar wird hierfür entweder vollkommen geschoren oder bis auf einen Haarkranz (lateinisch auch "corona" genannt) entfernt.

Antike Vorbilder und neue Frisiertechniken

In der Renaissance orientieren sich neben Malerei und Philosophie auch die Frisuren an antiken Vorbildern. Frauen tragen Flechtfrisuren mit Bändern, Edelsteinen und Perlen oder fassen ihr Haar zu einem Knoten zusammen und bedecken es mit aufwändig verzierten Haarnetzen.

"Profilbildnis einer jungen Frau (Simonetta?)" (1475 - 1480), Sandro Botticelli zugeschrieben,
Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Foto von Christoph Schmidt (CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Im 16. Jahrhundert frisieren vornehme Herren ihr Haar gerne halblang und toupieren die untere Partie etwas in die Breite. Natürlich beeinflussen sich Kleidung und Frisuren wechselseitig. Im Barock zum Beispiel sind sogenannte „spanische Trachten“ mit hohem, breiten Spitzenkragen beliebt, weshalb Männer ihre Haare kurz schneiden und Frauen sie hochstecken.

"Bildnis eines älteren Mannes" (1622 - 1625), Peter Paul Rubens, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Foto von Volker-H. Schneider (CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Mitte des 17. Jahrhunderts kommen Ringel- und Korkenzieherlocken in Mode. Der Grund: Eine neue Papillotier-Technik ermöglicht es, das Haar zu kleinen, natürlich fallenden Locken zu drehen. Dafür werden Haarsträhnen aufgewickelt, in Papier eingeschlagen und dann mit einem Papillot-Eisen zur Locke gepresst, eine Prozedur, die sich über mehrere Stunden erstreckt. Mit Brennstäben, Pomade und Puder werden die Frisuren in Form gehalten, wobei ein Großteil der feinen Gesellschaft einfach gleich zur Perücke greift.

Perücken als Statussymbole

Das 17. und 18. Jahrhundert ist in Europa die Zeit der Perücke. Sie hat den Vorteil, die Haare nicht ständig neu locken zu müssen und den Kopf zu wärmen, denn die zugigen Barockschlösser lassen sich nur schwer heizen. Gleichzeitig kaschiert sie Haarausfall, die nicht nur alters- und hormonbedingt auftritt, sondern auch ein Symptom der verbreiteten Syphilis ist - oder die Folge einer Syphilis-Behandlung mit Quecksilber.

"Bildnis eines Herrn mit Allongeperücke" (1680), Caspar Netscher, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Foto von Christoph Schmidt (CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Ende des 17. Jahrhunderts ist zunächst die sogenannte Allongeperücke modern – Allonge bedeutet im Französischen Verlängerung oder Anhängsel. In Mitte gescheitelt fallen die aus Flachs oder Rosshaar hergestellten Perücken bis auf die Brust. Ludwig XIV. macht sie 1673 in Frankreich zur Staatsperücke, sodass sie bald in ganz Europa Männer von Stand tragen. Den einfachen Bürgern bleibt die kürzere Form der Allonge, die sogenannte Bürgerperücke.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts werden Männerperücken kürzer, die Allongeperücke kommt außer Mode. Bald ist sie nur noch Teil der Amtskleidung, in Großbritannien und Australien etwa bei Richter*innen bis heute. Stattdessen setzt sich eine Perückenform mit Zopf und waagerecht eingedrehten Locken über den Ohren durch, wie wir sie zum Beispiel von Friedrich II. von Preußen kennen.

Der Alte Fritz trägt eine Perücke, der junge, österreichische Kaiser Joseph II. hat sein Haar frisiert: "Begegnung Friedrichs II. mit Kaiser Joseph II. in Neiße im Jahre 1769" (1855-1857), Adolph Menzel, Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Foto von Jörg P. Anders (CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Perücken sind oft weiß, manchmal violett, pink, blau oder gelb gepudert. Frauen tragen Haarteile und pudern ihr Haar grau, wohl auch, um den Farbunterschied zwischen dem eigenen Haar und den Haarteilen zu kaschieren. Perückenpuder wird aus Mehl oder Stärke hergestellt und mit Lavendel oder Orangenblüten parfümiert. Auf der Perücke haftet es dank fettiger Pomade, weshalb Männer den Zopf in einen Taftbeutel, die sogenannte Bourse, stecken oder mit einem Band umwickeln, um ihre Kleidung zu schützen.

Der Siegeszug der Perücke in Europa bringt kreative Formen der Besteuerung hervor. Friedrich I. von Preußen führt eine Perückensteuer ein, um die Staatsfinanzen aufzubessern, die durch Misswirtschaft erschöpft sind. Für jede in der Öffentlichkeit getragene Perücke müssen drei Taler entrichtet werden. Überprüft wird das Ganze vom königlichen Perückeninspektor. 1795 führt das britische Parlament eine Steuer auf Haarpuder ein, die allem voran die napoleonischen Kriege finanzieren soll und gepuderte Haare sowie Perücken zum Luxusgut machen.

Mit ihren eleganten Hochsteckfrisuren verkörpern die Waldegrave-Schwestern das Idealbild weiblicher Anmut vor 1800: "Lady Elizabeth Laura, Lady Charlotte Maria, & Lady Anne Horatia" (1781), Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz, Foto von Sandra Steiß (CC BY-SA 4.0 International)

Am französischen Hof in Versailles tragen Frauen Ende des 18. Jahrhunderts besonders aufwändige, hohe Frisuren. Wir denken heute an Haaraccessoires in Form von Modellschiffen, die oben auf den Haaren sitzen, wesentlich häufiger aber werden die Frisuren mit Federn, Blumen, Schmuck und Bändern verziert. Diese Turmfrisuren können bis zu 60 cm hoch sein, sind aber weniger exzessiv, als zeitgenössische Karikaturen es vermuten lassen. Léonard-Alexis Autié, der Hoffriseur von Marie-Antoinette popularisiert den Pouf, eine Turmfrisur, die durch ein Drahtgestell und ein Kissen besonders voluminös ist.

Viermal Pouf: Modekupfer aus der Grafikserie "Gallerie des Modes et du Costume Français: Bonnet à la Victoire, la Candeur, Bonnet au Levant" (1778), verlegt von Esnauts et Rapilly (Paris), Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, Foto von Anna Russ (CC BY-NC-SA 3.0 DE)

Sowohl im Barock als auch im Rokoko gilt: Je höher der soziale Status einer Person, desto aufwändiger, prachtvoller und kostspieliger die Perücke. Die prachtvollen Haarkreationen in Barock und Rokoko sind schwer, unpraktisch und schränken die Bewegungsfähigkeit stark ein, haben also eine rein repräsentative Funktion.

Den damit entstehenden Graben zwischen perückentragendem Adel und perückenlosem Bürgertum vertieft die Französische Revolution noch weiter. Die pompösen Perücken des französischen Hofs in Versailles werden zum Symbol der Dekadenz der Herrschenden. Die Revolutionäre tragen einfache Frisuren, schaffen die Perücke aber nicht vollkommen ab. Maximilien de Robespierre, führender Politiker der Jakobiner, trägt sie zum Beispiel weiterhin. Erst Napoleon Bonaparte setzt dem ein Ende. Sein Haar lässt er, in Anlehnung an die römischen Kaiser, kurz schneiden und führt einen ähnlichen Haarschnitt für das Militär ein.

Frisierlampen und Dauerwellen

Anfang des 19. Jahrhunderts sind Perücken noch ein Zeichen konservativer politischer Einstellung, bis sie im Laufe der Jahrzehnte fast vollkommen verschwinden. Mode und Frisuren orientieren sich zunächst weiter an antiken Vorbildern, bei Männern und Frauen ist der Tituskopf sehr beliebt. Männer kämmen ihre Haare dafür vom Hinterkopf nach vorne, Frauen legen sie in kleinen Locken um den Kopf.

"François-René de Chateaubriand" mit modischem Tituskopf, Universitätsbibliothek Würzburg, Deutschland (CC BY-NC-SA 4.0 International)

Im Biedermeier geht der Tituskopf bei Frauen zunehmend in die Breite und wandelt sich schließlich zu einem breiten Haarknoten mit seitlichen Papilloten und glattgekämmten Mittel- oder T-Scheitel. Außerdem werden Hauben, Diademe, Blumenschmuck und als Stirnbänder getragene Goldketten wieder modern. Frauen frisieren ihre Haare auch zu einem voluminösen Haarknoten, der mit Ponyfransen kombiniert wird.

Eine Neuerung im Bereich der Frisiertechniken ist das Onduliereisen, das Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt kommt. Es wird mittels einer Frisierlampe erhitzt, um dann das Haar Strähne für Strähne zu Locken zu drehen. 1910 patentiert Karl Ludwig Nessler die erste Dauerwelle. Dabei werden einzelne Haarsträhnen in Borax getränkt, auf Lockenwickler gedreht und mit einer Ondulierzange gelockt. Kurze Zeit später wird in London der erste elektrische Dauerwellenapparat vorgestellt.

"Heiss-Dauerwelle", Foto im Damensalon (Blick durch das "Bullauge" auf die Dauerwelle),
Frisörmuseum (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Frisuren als Protest

Frisuren geben nicht nur Auskunft über den sozialen Status einer Person, sie können auch Ausdruck von politischer Orientierung oder Rebellion sein. Anfang des 19. Jahrhunderts bekunden Männer ihre demokratische bzw. romantische Überzeugung dadurch, dass sie ihre Haare kurz schneiden, in die Stirn kämmen und dazu Koteletten oder Bart tragen.

Frauen fordern nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur erfolgreich das Wahlrecht ein, sondern schneiden sich ihr Haar auch zu einem kurzen Bubikopf – als Zeichen der Emanzipation. Auch wenn der Bubikopf von den Herrenhaarschnitten der damaligen Zeit noch weit entfernt ist, löst er eine erhitzte Debatte über Weiblichkeit, Moral und Selbstbestimmung aus. Schauspielerinnen der Stummfilmzeit wie Asta Nielsen, Marlene Dietrich und Greta Garbo machen die neue Haarmode schließlich salonfähig.

"'Das Haar': Asta Nielsen mit Bubenkopf-Frisur", Frisörmuseum (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

In den 1960er Jahren schlagen Männer die Gegenrichtung ein. Schon Elvis Presleys Schmalztolle (nach Madame de Pompadour und den voluminösen Frisuren am französischen Hof Ende des 17. Jahrhunderts auch als Pompadour bezeichnet) oder der berühmte Pilzkopf der Beatles stehen im Gegensatz zu den ordentlich gescheitelten, kurzen Herrenhaarschnitten der 1950er-Jahre. Die Hippie-Bewegung setzt sich optisch vom als autoritär empfundenen Establishment ab, indem Männer ihre Haare lang wachsen lassen und dazu Vollbart tragen. Teile der Mehrheitsgesellschaft reagieren entsprechend empört und es grassieren Slogans wie „long hair is communism“.

Besondere Bedeutung haben Haare in der Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre, denn zur Stigmatisierung Schwarzer Menschen gehört auch die Abwertung krauser Haare. Die Schwarze Unternehmerin Madam C. J. Walker entwickelt Anfang des 20. Jahrhunderts einen Heiß-Kamm, eine Art Glätteisen, der es ermöglicht, krauses Haar zu glätten und sich so dem weißen Schönheitsideal anzupassen. Diese Form der Haarglättung kritisieren die Bürgerrechtler*innen in den 1960er-Jahren. In ihren Augen hält sie den rassistisch motivierten Zusammenhang zwischen glatten bzw. eurozentrischen Haaren und sozialem Status aufrecht.

"Angela Davis" (undatiert), SLUB / Deutsche Fotothek / Morgenstern, Foto von Klaus Morgenstern (Rechte vorbehalten - Freier Zugang)

Die Black-Power-Bewegung bekämpft nicht nur politische Diskriminierung, sondern auch verinnerlichten Rassismus, wobei Haare eine zentrale Rolle spielen. Unter dem Motto „Black is Beautiful“ bestärkt sie Schwarze US-Amerikaner*innen, dass ihre Haare und Hautfarbe perfekt sind – so wie sie sind. Slogans wie „Don’t remove kinks from your hair! Remove them from your brain!“ („Entfernt Knoten nicht aus euren Haaren! Entfernt sie aus euren Köpfen!“) rufen dazu auf, sich die Haare nicht zu glätten

Aktivist*innen der Black-Power-Bewegung wie Angela Davis machen den Afrolook populär und stellen sich damit gegen weiße Schönheitsideale. Dafür lassen sie ihr natürliches Haar wachsen und kämmen es mit einem Afrokamm, der besonders breite Zinken hat, vom Haaransatz nach oben.

Afro-Kamm: "Afrikanischer Kamm" (um 2000), Frisörmuseum (CC BY-NC-ND 3.0 DE)

Die Geschichte von Haar-Diskriminierung ist damit allerdings keineswegs zu Ende, im Gegenteil: Afrolook, Rastalocken und Cornrows (eine enganliegende Flechtfrisur) lösen eine Debatte darüber aus, welche Frisuren vorzeigbar und akzeptabel sind. Bis heute gibt es an einzelnen US-amerikanischen Schulen und in Unternehmen Frisur-Vorschriften, die sich vor allem gegen Afrolook und Rastalocken richten. Dass Frisuren mehr als modische Accessoires sind, Machtverhältnisse und Widerstand zum Ausdruck bringen trifft also nicht nur auf die Perücken-Mode des 17. und 18. Jahrhunderts zu, sondern setzt sich auch gegenwärtig, in neuen Haar-Diskursen, fort.

 

Lust auf historischen Frisörbedarf, Haarschmuck und Frisuren? Die Sammlung des Frisörmuseums in der Deutschen Digitalen Bibliothek zählt über 4.000 Objekte! Mehr Frisuren gibt es außerdem hier.

 

Quellen:

Planet Wissen: https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/mode/frisuren/index.html

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Frisur, https://en.wikipedia.org/wiki/Hairstyle, https://de.wikipedia.org/wiki/Per%C3%BCcke

British Broadcasting Corporation (BBC): https://www.bbc.co.uk/bitesize/articles/zrjnt39

Time: https://time.com/4348252/history-long-hair/

Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturgeschichte-der-frisur-imagegewinn-dank-corona-maehne.1008.de.html?dram:article_id=475277

https://www.deutschlandfunk.de/empirisch-gewellt.680.de.html?dram:article_id=32862

Daily JSTOR: https://daily.jstor.org/how-natural-black-hair-at-work-became-a-civil-rights-issue/

Vortrag: „A History of Hair“ von Joanna Bourke: https://www.youtube.com/watch?v=1yttdd2C5Ng

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF): https://www.srf.ch/kultur/wissen/pharaonen-peruecken-popper-eine-haarige-zeitreise

Mittelalter Lexikon: https://www.mittelalter-lexikon.de/wiki/Haartracht

Sean Williams: https://www.seanmwilliams.com/cultural-history