Ein Zeitungsportal für Deutschland: DDB baut weiteres Spezialangebot auf

Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) führt Objekte aus Kultur- und Wissenseinrichtungen zusammen, vernetzt sie miteinander und macht sie – unter anderem mit einem übergreifenden Recherche- und Nachweissystem – einheitlich zugänglich. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert nun ein Projekt, in dem als Teil und auf der Basis der DDB ein nationales Zeitungsportal errichtet werden soll. Mittelfristig wird das Zeitungsportal alle in Deutschland verfügbaren digitalisierten Zeitungsbestände präsentieren und durchsuchbar machen.

(Von Uwe Müller, Geschäftsführer Technik, Entwicklung, Service)

Historische Zeitungen bilden eine wichtige Quelle wissenschaftlicher Forschung in unterschiedlichen Disziplinen – insbesondere in Deutschland, wo die Zeitungslandschaft besonders vielfältig und reichhaltig war und ist. Und auch abseits wissenschaftlicher Nutzungsszenarien sind Zeitungen ein großartiger Fundus für Informationen über das Zeitgeschehen – etwa im Bereich der Heimat- und Familienforschung.

Bislang sind in Deutschland allerdings nur wenige historische Zeitungen digital verfügbar. Die Digitalisierung von Zeitungsbeständen wurde bisher nicht systematisch betrieben. Und auch eine auf die Besonderheiten von Zeitungen zugeschnittene zentrale Präsentations- und Rechercheoberfläche gibt es – anders als in vielen anderen Ländern – in Deutschland nicht.

Das soll sich nun ändern.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im Frühjahr 2018 ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem die Digitalisierung und Erschließung von Zeitungsbeständen finanziell unterstützt werden soll. Grundlage dafür ist ein Masterplan, den ein Konsortium aus namhaften und im Bereich der Digitalisierung führenden Bibliotheken im Rahmen des DFG-Pilotprojekts „Digitalisierung historischer Zeitungen“ erarbeitet hat. Die ersten Digitalisierungsprojekte werden voraussichtlich Mitte 2019 starten. Förderbedingungen sind unter anderem die Nutzung standardisierter Metadatenformate, die Volltexterschließung (OCR) der Zeitungen sowie die Lieferung an die DDB – ideale Voraussetzungen also für die Realisierung eines übergreifenden Zeitungsportals.

Ein solches zentrales Angebot wird nun – ebenfalls mit Mitteln der DFG – im Rahmen eines eigenen Projekts entwickelt. Hauptziel dieses Kooperationsprojekts ist es, auf der technologischen und organisatorischen Basis der DDB ein Portal zu entwickeln und in den Produktivbetrieb zu überführen, das den zentralen und nutzerfreundlichen Zugang zu den digitalisierten historischen Zeitungen aus Deutschland ermöglicht. Das Zeitungsportal wird – ähnlich wie das ebenfalls durch die DDB betriebene Archivportal-D – als materialspezifisches Angebot realisiert, dessen Funktionsumfang speziell auf Zeitungen und deren Besonderheiten zugeschnitten ist. Dazu zählen insbesondere:

eine übergreifende Volltextsuche in den digitalisierten Zeitungsbeständen,

unterschiedliche Einstiegspunkte, z.B. über Kalender und Zeitungstitel,

eine unmittelbar in die Portalumgebung integrierte Anzeigekomponente (Viewer),

eine konsistente Möglichkeit, auf die enthaltenen Zeitungen bzw. Einzelausgaben persistent zu referenzieren und sie somit zitierfähig zu machen.

Das DDB-Zeitungsportal soll mittelfristig alle Bestände digitalisierter Zeitungen in deutschen Kultur- und Wissenseinrichtungen nachweisen und in dem beschriebenen Funktionsumfang zugänglich und nutzbar machen. Dabei liegt der Fokus – analog zur Ausrichtung der DDB insgesamt – bis auf weiteres auf Beständen aus Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen und auf historischem, das heißt rechtefreiem Material.

Ein wichtiger Aspekt des Zeitungsportals ist auch dessen Anschlussfähigkeit und Zukunftsfähigkeit. So soll das International Image Interoperability Framework (IIIF) zum Einsatz kommen, mit dem digital vorliegende Bildinhalte und die dazugehörigen Strukturinformationen und Metadaten einheitlich über Webschnittstellen verfügbar gemacht werden können. Außerdem wird das Zeitungsportal an die Zeitschriftendatenbank (ZDB) und perspektivisch an Europeana Newspapers angebunden.

Projektstart ist am 1. Januar 2019, die Laufzeit beträgt zunächst zwei Jahre. Projektpartner sind neben der Deutschen Nationalbibliothek bzw. der Deutschen Digitalen Bibliothek (Konsortialführung) die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz sowie FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur.

 

Links & Downloads

Der DFG-Antrag Zeitungsportal zum Download (PDF)

Das Zeitungsportal auf DDBpro, das Portal für Datenpartner der Deutschen Digitalen Bibliothek

Startseiten- und Indexteaser: "Napoleon Bonapartes erstes Auftreten" (Berlin, 1876), Universitäts- und Landesbibliothek Bonn (Public Domain Mark 1.0)